Seibane Wague Urteil: Reaktionen aus der African Community
Afrikanet hat für Sie Angehörige der Wague Familie, Engagierte Menschen aus der Wiener African Community, der Generalsekretär von Amnesty International Österreich, der Rechtsanwältin der Witwe von Seibane Wague sowie dessen Bruder nach dem Urteil interviewt. Lesen Sie was gesagt wurde.
Tidjane Wague – Bruder von Seibane Wague: Ich habe mehr erwartet als heute bekannt gegeben wurde. Dass Menschen die das Leben meines Bruders zu verantworten haben also freigesprochen werden. Die kriegen nicht einmal eine Disziplinarstrafe. Das kann ich einfach nicht akzeptieren. Zumal gibt es keinerlei Entschuldigung von der Seite Österreichs. Mein Bruder…
Soliman – Prozessbeobachter und Menschenrechtsaktivist: Es ist unfassbar. Fast alle freigesprochen? Die (Polizisten) machen was Sie wollen. Sie kriegen gar nicht. Die Polizei wird nie richtig bestraft.
Mag. Heinz Patzelt, Generalsekretär Amnesty International: Vorige Woche haben Sie uns gesagt, dass Sie vom Richter beeindruckt waren, wie er verhandelt hat. Und heute?
Wir haben das Urteil gehört und Amnesty kommentiert Urteile nicht. Dass es auch ganz konkret individuelle Schulden gibt von einem Notarzt und einem Polizisten, ok. Ein Problem ist, dass das Österreichische Strafrecht die Verantwortungen der organisierten Gruppe Polizisten, die gemeinsam etwas tun nicht berücksichtigt. Es gibt ein gesetzliches Defizit und es gibt natürlich Beweisschwierigkeiten in so einer Situation. Das Verfahren hat zwei und halb Jahren gedauert bis zum Prozess. Das ist auch ein Justizskandal, dass dieses Verfahren nicht schnell stattgefunden hat. Es ist einfach ein völliges Versagen der Polizei als Organisation und als Struktur.
Nadja Lorenz – Anwältin der Witwe von Seibane Wague: Mit einem weinenden Auge verlassen wir das Landesgericht. Es ist einfach traurig dass einen einzigen Beamten schuldig gesprochen wurde.
Was werden Sie demnächst machen?
Dass behalte ich mir vor. Ich weiß es nicht was wir in der nächsten Zukunft machen werden.
Béatrice Achaleke – Schwarze Frauen Community: Ich habe nicht erwartet, dass nicht nur der Arzt und einen Polizisten schuldig gesprochen werden. Es ist für mich eine Beleidigung, dass der Richter die Schulden auf dem Notarzt verschoben hat. Ich hätte etwas anderes erwartet weil ich gelesen und erfahren habe, dass das Verfahren gut gelaufen ist. Aber ich bemerke jetzt, dass alles nur eine Illusion war. Wir haben schon eine Erfahrung diesbezüglich mit dem Fall Omofuma und andere Fälle gehabt. Aber ich habe geglaubt, dass ein Wunder geschehen wird. Für mich ist das Urteil eine Legitimation, dass Schwarze Menschen in diesem Land kein Recht haben, vor allem wenn man so einen Fall mit Galtür vergleicht.
Wie wird die Zukunft ausschauen?
Die Black Community hat noch sehr viel Arbeit vor, aber auch von den vielen NGO´s die sich gegen Rassismen und für Gerechtigkeit kämpfen.
Nathalie – Witwe von Seibane Wague: Ich habe mir anderes erwartet. Mir tut es sehr Leid. Vor allem tut es mir Leid für die gesamte Familie. In Europa sowie in Mauretanien. Es tut mir auch sehr Leid für die engagierte Menschen, insbesondere die Plattform Gerechtigkeit für Seibane sowie die Black Community in Österreich die seit 2003 gekämpft haben, damit Seibane ein Faires Urteil hat. Leider war es nicht so. Ich würde die ganze Black Community raten nicht aufhören zu kämpfen. Für mich persönlich war der Prozess reine Show war. Es ist meine persönliche Meinung und meine reine Mutmaßung. Ich kann es nicht beurteilen. Daraus sollen wir lernen, dass man sich nicht in einer Amtshandlung (polizeilichen) verwickeln lassen soll. Streit muss man meiden. Der ganzen Familie geht es schlecht.
Araba Johnston Arthur – PAMOJA: Ich bin sehr erschüttert. Das Urteilt wirft noch die Frage ob es Gerechtigkeit in diesem Land gibt. Was für Reaktionen gibt es wenn ein Mensch auf dieser Art und Weise zum Tode kommt. So lange es keine Konsequenzen gibt, heißt es:
a- Dass alles was passiert ist in Ordnung ist und
b- dass es jederzeit wieder passieren kann
Das ist der Grund zur Beunruhigung. Ich habe mir erwartet Gerechtigkeit und Konsequenzen. Konsequenzen, dass ein derartiger Verhalten der Exekutive, von Sanitäter und des Notarztes nicht rechtskonform ist. Das wichtigste ist was für Konsequenzen wird es für in Österreich lebende Schwarze Menschen geben? Noch unsicherer fühlen wir uns nach diesem Urteil. So lange es keine Konsequenzen gibt kann jederzeit wieder passieren, und das obwohl es ein Video gegeben hat. Wie oft gibt es kein Video? Wie oft wird in Zukunft ein Video geben? Mit diesem Video wäre es die Möglichkeit gewesen. Es geht hier um die Achtung der Grundlagen von Menschenrechten, kurz gesagt das Recht aufs Leben. Dieses recht aufs Leben kennen wir nicht in diesem Land. Es ist nicht gesichert. Schade.
Gerty Lamptey – Sprecherin Plattform Gerechtigkeit für Seibane Wague: Das Urteil ist für uns ein Freier Brief für die Polizei die in ähnlichen Situation geraten werden. Vor allem gegenüber Menschen afrikanischer Herkunft. Meine Erwartungen waren, dass es zu Schuldsprüchen kommt, vor allem bei angeklagten Polizeibeamten. Das es nicht dazu gekommen ist, ist einfach eine Katastrophe in Österreich unter solchen Bedingungen zu leben. Das Urteil ist eine Legitimation, dass schwarze Menschen in diesem Land keine Rechte haben. Das zusammenleben hier ist furchtbar.
Mag. Damien Agbogbe – AHS Lehrer: Ich bin absolut enttäuscht. Es ist skandalös was hier passiert ist. ich habe immer gesagt,dass der Fall Seibane auch als Omofuma 2 genannt werden kann. Es ist klar, dass durch das Urteil, schwarze Menschen in Österreich gewarnt werden, dass sie in diesem Land nicht willkommen sind. Daher haben Sie hier keine Rechte.
Wie geht es weiter?
Angesichts der hohen Frustration, lohnt er sich weiterzukämpfen. Natürlich sind wir enttäusch, ratlos, verzweifelt. trotzdem glaube ich, dass die African Community weiterkämpfen soll weil wir mit diesem Prozess gesehen haben, dass wir keine Rechtliche Beschützer in diesem Land haben.