„Das Fest des Huhnes“: Schauspielerin Edith Paule ist verstorben
Letzten Donnerstag 18. Juni 2026 publizierte der Verein Jaapo, wo Edith Paule aktiv Mitglied war folgende Meldung auf der eigenen Facebook Seite: “ (…) Mit großer Trauer und tiefem Schmerz haben wir vom Tod unserer langjährigen Mitstreiterin Edith Paule erfahren. Nach einem mutigen Kampf gegen den Krebs ist sie zu ihren Ahnen gegangen. Wir verlieren mit ihr eine außergewöhnliche Frau, die ihr Leben dem Einsatz für Gerechtigkeit und Befreiung gewidmet hat. Sie war eine unermüdliche Kämpferin für Dekolonialismus, Schwarzen Feminismus und die Rechte Schwarzer Menschen. Ihre Haltung war geprägt von Klarheit und Mut. Ihren Werten blieb sie stets treu – auch dann, wenn der Weg schwierig war (…). „
Ein großer Schock für viele, die diese außergewöhnliche und würdige Dame gekannt haben.
Edith Paule wurde in Österreich durch den berühmten Mockumentary Film von Walter Wippersperg „Das Fest des Huhnes“ bekannt.
In „Das Fest des Huhnes“ untersuchen afrikanische Wissenschaftler den für sie rätselhaften österreichischen „Brathendl‑Ritus“
In seiner wegweisenden Mockumentary „Das Fest des Huhnes“ (1992) brach Regisseur Walter Wippersberg (1945-2016) radikal mit der eurozentrischen Blickachse. Die tiefgründige Satire dreht das koloniale Machtverhältnis der Beobachtung einfach um: Ein afrikanisches Forschungsteam unter der Leitung des Anthropologen Prof. Kayonga Kagame (Frank Oladeinde) reist nach Oberösterreich, um eine vermeintlich exotische, rückständige Kultur im „dunklen Herzen Europas“ zu studieren. In „Das Fest des Huhnes“ von Walter Wippersberg untersuchen afrikanische Wissenschaftler den für sie rätselhaften österreichischen „Brathendl‑Ritus“.

Mit jener paternalistischen, pseudo-wissenschaftlichen Sachlichkeit, die traditionell den westlichen Blick auf den Globalen Süden prägte, seziert die Expedition die Rituale und Artefakte der lokalen Bevölkerung. Wippersberg gelingt damit eine messerscharfe Dekonstruktion anthropologischer Arroganz, indem er die Mechanismen des Othering spiegelverkehrt auf die österreichische Provinz anwendet.
Der Film entstand im Auftrag des ORF-Landesstudios Oberösterreich für die legendäre Schiene Kunst-Stücke und hat im Laufe der Jahrzehnte absoluten Kultstatus erreicht.
Edith Paule, die im Film zum Team der Anthropologen stieß, war ursprünglich als Tourismusfachfrau in Kamerun ausgebildet und kam 1983 wegen der Liebe nach Österreich. In Jaapo’s Berufs‑Talk „My Job ist…“ erzählte sie 2016 auf DorfTV, wie es zu ihrer Mitwirkung kam.
Edith Paule: Walter Wippersberg war wie ein Mentor für mich
Eine Bekannte habe sie damals darauf aufmerksam gemacht, dass Regisseur Walter Wippersberg an einem neuen Filmprojekt arbeite, berichtet Paule. „In der österreichischen Gesellschaft waren wir afrikanischen Frauen damals stark von Exotisierung betroffen“, sagt sie rückblickend. Umso überraschender sei für sie das erste Gespräch mit Wippersberg im ORF gewesen: „Ich erlebte das genaue Gegenteil – eine Haltung, die mich positiv überrascht hat.“
Besonders überzeugt habe sie die filmische Idee, die Subjektivierung der Afrikanerin ins Zentrum zu rücken – ein Ansatz, der im Österreich jener Zeit keineswegs selbstverständlich war. „Diese Hintergedanken haben mich sehr motiviert, mitzumachen. Ich muss sagen: Walter Wippersberg war mit dieser Idee ausgesprochen mutig.“
Für Paule wurde die Zusammenarbeit prägend. „Walter hat mich gelehrt, Dinge zu hinterfragen. Er war wie ein Mentor für mich.“
Die Lebenskünstlerin, Mutter und Großmutter war in den letzten Jahren sehr aktiv in feministisch-dekolonialen kreisen zu sehen und zu hören. Im obergenannten Interview erzählte sie , dass es früher in Österreich leichter war mit Menschen zusammenzukommen. Wegen der heutigen Medien argumentiert sie, ist es heute schwieriger geworden.
Die Schauspielerin spielte in zwei österreichischen Filme:
> Das Fest des Huhnes (1992)
> Dunkles, rätselhaftes Österreich (1994)
Wir können nur solidarische mit den Gedanken von ihrem Verein Jaapo sein, wenn Sie schreiben: „Wir sind tief betroffen von diesem Verlust. In diesen schweren Stunden sind unsere Gedanken bei ihren Kindern, Enkelkindern und allen Angehörigen, Freundinnen und Wegbegleiterinnen. Mögen sie Trost in den Erinnerungen an ihr reiches Leben und ihr bedeutendes Wirken finden.“
Wir werden dich nie vergessen und werden die nächste Gelegenheit finden um dich sowie deine Arbeit zu ehren.
AUSZUG aus „Das Fest des Huhnes“