Black History Month 2026 – eine ungebrochene Tradition wird fortgeführt
Am 29. Januar 2026 fand in den Räumlichkeiten der Hauptbücherei Wien die Kick-off-Veranstaltung zum Black History Month in Österreich statt. „Back to the Roots“ war das Thema der heurigen Veranstaltung.
Organisiert wurde die Veranstaltung einerseits von freshVibes, der „Live Radio Show der jungen Schwarzen Diaspora in Österreich“, die jeden ersten Mittwoch im Monat im Wiener Community Radio ORANGE 94.0 gesendet wird, sowie vom Medienportal blackaustria.info zusammen mit der Wiener Hauptbücherei. Moderiert wurde der Abend von Fatima Jost. Die musikalische Untermalung übernahm Adama Dicko mit dem Sahel Melodies Duo.
„Herzlich willkommen im Namen der Hauptbücherei. Ich freue mich, dass wir auch dieses Jahr wieder den Kick-off des Black History Month ausrichten können. Mittlerweile ist es schon eine Tradition“, sagte Patrick-Paul Volf im Namen der Hauptbücherei vor 48 Personen, die an diesem Abend erschienen waren. simon INOU erinnerte in seinem Eingangsstatement daran, dass „der Black History Month seit 1997 in Österreich veranstaltet wird. Zuerst von PAMOJA, der Bewegung der jungen Afrikanischen Diaspora in Österreich, und seit 2019 als Kick-off-Event in der Wiener Hauptbücherei.“
Zehn Organisationen waren eingeladen, sich selbst vorzustellen und ihre Veranstaltungen für den Black History Month anzukündigen. Acht waren anwesend: African Cultural Foundation, Bibliobox, Disrupt Verein, Pooldoks, Stadtkino im Künstlerhaus, Radio Afrika TV, das Institut für Afrikawissenschaften der Universität Wien und die Donau Noir Film Days.
Adaora Ofoedu stellte die African Cultural Foundation vor. Bereits 2022 war die Foundation beim Kick-off vertreten. Dieses Jahr hat die dynamische Institution ein neues Projekt ins Leben gerufen: „EmpowerHer“ – eine Plattform, die Frauen der afrikanischen Diaspora in Österreich feiert. Die Stiftung betreut viele Projekte, die auf ihrer Homepage zu finden sind.
Die nächste Präsentation folgte von der Lehrerin Arwa Elabd: Sie stellte Bibliobox vor. Die Bücherei, die zu einer Institution für inklusives Lesen und Diversität in der Literatur geworden ist, hat Raum für viele marginalisierte Gruppen geschaffen. Dort werden Räume eröffnet, die es vielen ermöglichen, die literarische Welt auszudehnen und sich international zu öffnen. Bibliobox verkauft nicht nur Bücher, sondern kooperiert mit vielen anderen Institutionen, Individuen und Vereinen, deren Stimmen oft unsichtbar und unhörbar bleiben.
Aus der Antirassismusszene im deutschsprachigen Raum sind sie nicht mehr wegzudenken: die Powerfrauen von Disrupt, dem Verein für diskriminierungs- und rassismuskritische Bildungsarbeit sowie politische Teilhabe. Melanie Kandlbauer und Lisa Tackie, Mitgründerinnen und Antirassismustrainerinnen erzählten die Geschichte des Vereins von der Gründung bis heute anhand einer einfachen Grafik. Gegründet wurde der Verein 2019 nach dem Black Austrian Youth Forum, einer Veranstaltung, die simon INOU 2018 für junge Schwarze Menschen initiiert hatte.
Sechs Jahre später leistet Disrupt enorme Arbeit. Ihre Workshops sind in fünf Kategorien unterteilt: Empowerment, Antirassismus, Denkwerkstatt, Medienkompetenz, Klimakrise und Zivilcourage. Bis heute haben die sehr aktiven Frauen mehr als 500 Veranstaltungen durchgeführt – sowohl in Schulen als auch in der Erwachsenenbildung, für NGOs ebenso wie für Universitäten und Ministerien in vier Ländern: Österreich, Deutschland, Italien und Ostbelgien.
Pooldoks und das Stadtkino im Künstlerhaus teilten sich ihre Präsentation. Katharina Weingartner von Pooldoks stellte ihren aktuellen Film „Stoff – Ein Spitzengeschäft“ vor, ein Werk des Regisseurinnen-Kollektivs bestehend aus Anette Baldauf, Chioma Onyenwe und Joana Adesuwa Reiterer. Der Film zeigt komplexe Machtverflechtungen bis hin zur Sklaverei. Katharina Weingartner ist für ihre furchtlose Herangehensweise an tabuisierte Themen in Nord-Süd-Beziehungen bekannt. „Das Fieber“, ihr Film über die Selbstermächtigung von Afrikaner:innen im Kampf gegen Malaria, wurde mehrmals von den „Wachhunden“ des Einheitsdenkens im westlichen Kino zensiert. Darin erzählt sie nicht das, was die Pharmaindustrie hören möchte – nämlich dass Malaria mit einer Pflanze heilbar sein kann. In „Das Fieber“ gibt es dafür unzählige Beispiele. Wiktoria Pelzer, Geschäftsführerin des Stadtkinos im Künstlerhaus, präsentierte ihre Kinosäle (wozu auch das Admiralkino im siebten Wiener Bezirk gehört) sowie das Programm des Kinos im Rahmen des Black History Month 2026. Dies war eine gute Gelegenheit, über die Donau Noir Film Days zu sprechen – eine Idee von simon INOU, die durch die Zusammenarbeit mit Pooldoks und dem Stadtkino ermöglicht wurde. Mehr über das Programm findest du hier:
Die Welt der Medien mit Afrikabezug ist in Österreich ohne Radio AFRIKA TV undenkbar. Der im Jahr 1997 von Alexis Neuberg und Samuel Ogbona gegründete Verein leistet enorme Arbeit, um unsere Blicke zu dekolonisieren. Joshua Mingers stellte an diesem Abend Radio Afrika TV vor. Der Medienverein konzentriert seine Arbeit stark auf die Dekolonisierung des österreichischen Blicks auf den afrikanischen Kontinent. Joshua Mingers begann seine Vorstellung mit einem Kurzfilm darüber, wie selektiv, problematisch und benachteiligend der europäische Blick Afrika schadet. Besonders hervorstechend in seiner Präsentation war das aktuelle Projekt: ein redaktioneller Schwerpunkt im ORF zum Thema Afrika, der heuer implementiert wird. „ORF opens the door for Africa…“ – das Publikum wurde eingeladen, Beispiele für „Good Practices“ innovativer Projekte in Afrika an Radio Afrika TV zu senden.
Heuer war das Institut für Afrikawissenschaften der Universität Wien zum ersten Mal beim Kick-off dabei – und das zu Recht. Die Projektmitarbeiterin Laura Kisser stellte das vierjährige Projekt „Poetiken der Relationen und intersektionalen Identitäten: Afrikanisch-diasporische Schriftstellerinnen in Österreich“ vor.
Das Projekt, das vom österreichischen Wissenschaftsfonds (FWF) auf vier Jahre angelegt ist, beschäftigt sich mit der Erforschung der trotz jahrelanger Präsenz und oft übersehenen afrikanisch-diasporischen Literatur in Österreich. Die zentralen Forschungsfragen lauten: Welche Poetiken entwickeln die Schriftsteller:innen aus ihren marginalisierten Positionen in Österreich? Und wie bereichern sie die vorherrschend „weiße“ österreichische Literaturlandschaft und das „Schwarze Europa“? Die zugehörige Veranstaltung findet am 20. Februar 2026 am Institut für Afrikawissenschaften statt.
Last but not least kam simon INOU zu Wort. Er referierte als Kurator der Donau Noir Film Days über die Wichtigkeit eines dekolonisierten Blicks auf Afrika und seine Diaspora, präsentierte das Programm und bedankte sich bei den Unterstützer:innen von Pooldoks und dem Stadtkino für diese neue Herausforderung. Mehr Infos über die DONAU NOIR FILM DAYS
Um 20:43 Uhr endete die Veranstaltung nach abschließenden Worten der Moderatorin Fatima Jost. Der Black History Month 2026 wurde offiziell eröffnet. Weitere Events im Veranstaltungskalender
Danke an das Team von freshVibes mit Beverly Mtui, Prince Njoku, und Tezerash Mergen, die an der Organisation aktiv beteiligt waren.

Black History Month 2026, Kick-off: Einige Bilder von Prince Njoku



Verein Disrupt (v.l.n.r.)

Sahel Melodie Duo

Universität Wien Institut für Afrikawissenschaften






