BLACK PEOPLE IN AUSTRIA

BLACK PEOPLE IN AUSTRIA

Fb. In. Tw.

Die Afrikaner und Österreichs Rechtsstaat

image_pdfimage_print

Werte Leserinnen, werte Leser! Wenn Sie geglaubt haben, dass in Wien lebende Afrikaner vor allem vom Drogenhandel leben, dürfen wir Ihnen mitteilen, dass das Innenministerium zu diesem Thema erfreulicherweise eine andere Ansicht haben muss.

Leider wurden wir nicht zur Pressekonferenz eingeladen, in der am 12. Juli der Drogenbericht 1999 präsentiert wurde.

Franz Kafka hat 1925 in seinem Buch „Der Prozess“ eine Beschreibung der österreichischen Justiz gegeben: absurd, kompliziert und manchmal Komplize der Polizei, einem anderen Machtapparat, der die Bürger terrorisiert, statt sie zu schützen.

Aus einer Amtshandlung nach einer Verkehrskontrolle am Allerheiligenabend 1998 ging der Austroafrikaner Dr. Camillus K., ein diplomierter Betriebswirt, mit Bänderriss, Gehirnerschütterung, Knochenbruch und Hodenprellung als Verlierer hervor. Er hatte eine Einbahn verkehrt zurückgeschoben, zeigte seinen Reisepass nicht her und – verlor das Bewusstsein.

Der gebürtige Nigerianer wird wegen Widerstandes gegen die Staatsgewalt und Körperverletzung zu vier Monaten bedingter Haft verurteilt.

Auch die Wiener Polizisten bekamen wegen absichtlicher Körperverletzung je sechs Monate bedingt. Am 20. Juli 1999 fand die Berufungsverhandlung im Oberlandgericht statt.

Das Strafausmaß für die Beamten wurde auf zwei Monate reduziert, die vier Monate für den Afro-Österreicher blieben.

Die Liebe der Justiz zur Polizeiuniform scheint hierzulande leidenschaftlich. Das verursacht nach meiner Meinung Unbehagen in der österreichischen Gesellschaft.

Florian Klenk von der Zeitung „Falter“ (Nr.29/2000, Seiten 14 und 6) sieht die Situation in der Polizei so: „In der Wirklichkeit geht es um mehr als um ein Paar rassistische Exzesse. Es geht um das verrutsche Weltbild erfolgssüchtiger Suchgiftfahnder, die mit ihren Aktionen Schlagzeilen produzieren und trotzdem von Polizeipräsidium und Innenministerium bis heute gedeckt werden.“ Und auf die Frage, warum Polizeiübergriffe so selten und so spät geahndet werden: „weil Österreichs Kontrollinstanzen schlafen und mit der Polizei ins Bett gehen“.

Im Juli berichtete der „Standard“ über die Bestätigung des Erstickungstodes von Marcus Omofuma. Die Gutachten aus Bulgarien sind endlich im Landesgericht Korneuburg eingetroffen. Nach der Übersetzung aus dem Bulgarischen wird sicherlich der Prozess endlich anfangen.

Doch haben wir in dem konkreten Fall bemerkt, dass Medizin offenbar keine Wissenschaft mehr ist. Denn die Obduktionsergebnisse des weltbekannten Wiener Gerichtsmediziners Christian Reiter und seines Kollegen aus Bulgarien, dem ebenso renommierten Stojcho Radanov, unterscheiden sich eklatant.

Es ist nur zu hoffen, dass Medizin, Justiz und Polizei zurück zur Vernunft finden werden, um doch noch Gerechtigkeit für Marcus Omofuma und seine Leidensgenossen zu schaffen.

Simon Inou

Artikel erchienen in der Wiener Zeitung am 8. August 2000

Facebook Comments Box
Social Share

Herausgeber blackaustria.info

You don't have permission to register