BLACK PEOPLE IN AUSTRIA

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Die Heiligen Drei Könige und die Integrationsfrage

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Jedes Jahr ist der 6. Jänner der Tag der Heiligen Drei Könige. In Österreich gehen tausende Kinder als Caspar, Melchior und Balthasar von Tür zu Tür, verkünden die Geburt Christi, wünschen Segen für das neue Jahr und sammeln Spenden für bedürftige Menschen, vorwiegend für den Süden dieser Erde. In Österreich könnte dieser Tag ein Zeichen für die Akzeptanz, Toleranz und Integration sein.

Die kleinen Könige – verkleidet, wie wir uns heute die drei Heiligen vorstellen – wünschen nicht nur Frieden, sondern singen auch als Botschafter der Nächstenliebe für Arme in den Länder des Südens.

In unseren Häusern sind sie immer willkommen. Auf unsere Türen schreiben sie mit geweihter Kreide „20 C+M+B 01“. Es bedeutet „Christus Mansionem Benedicat“ („Christus segnet dieses Haus“). Nur selten kommt es vor, dass jemand gar nichts geben möchte.

Das Geld, das gesammelt wird, unterstützt Menschen in den Ländern des Südens, sich zu entwickeln. Einige Projekte werden gefördert, Leben werden gerettet, Hoffnung wird gegeben. Durch diese Projekte lernen diejenigen, die im Bereich der Entwicklungszusammenarbeit engagiert sind und die aus Österreich kommen, andere Gesichter, andere Kulturen und andere Menschen kennen. Es macht Freude. Die Welt globalisiert sich. Langsam: Es ist leicht zu merken, dass der Heilige Caspar hier zu Lande ein „schwarzes“ Gesicht und „weiße“ Hände hat. Dieses Bild erinnert uns an Kinofilme der 50er und 60er Jahren in den USA. Wo so genannte „weiße“ Schauspieler sich schwarz angemalt haben, damit sie die Rolle eines „Schwarzen“ spielen.

Heute würde dies als politisch unkorrekt bezeichnet werden. Vor vielen Jahrhunderten versinnbildlichten die drei Könige die drei damals bekannten Kontinente Europa, Asien und Afrika. Wäre es nicht schön, wenn unsere Sternsinger heute auch als Zeichen der Integration gelten würden? Vielleicht könnten afrikanische Kinder das schwarz angemalte Gesicht in der Gruppe ersetzen. Vielleicht wird auch ein Kind aus Asien Balthasar sein.

Wir werden nicht von der Globalisierung sprechen, sondern die eine Welt in ihrer Vielfalt praktizieren – für eine Welt der aktiven Solidarität.

Simon Inou

Artikel erschienen in der Wiener Zeitung am 23. Jänner 2001

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Herausgeber blackaustria.info

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