Österreichischer Rassismus Report 2005 – Neuer Rekord erreicht
Am 24. März 2006 präsentierte die österreichische Antirassismus Organisation ZARA (Zivilcourage und Antirassismus Arbeit) zum sechsten Mal ihren traditionellen Rassismus Report 2005 (RR05). Ein neuer Rekord wurde aufgestellt: 1105 Fälle wurden von ZARA bearbeitet. Im RR 04 waren es 907. Am meisten betroffen sind Menschen afrikanischer Herkunft. Afrikanet.info (heute blackaustria.info) hat für Sie den RR05 gelesen.
Dieser neue Rekord hat für den österreichischen TV Hauptsender ORF in seinen Hauptnachrichten ZIB 1*, ZIB 2* sowie im Teletext von ORF1&2 keinen Informationswert. Zensur oder Zufall?
Fall 24, S. 15: “ Frau G., ihre Schwester und ein afroamerikanischer Freund aus Louisiana, USA, sitzen in einem Kaffeehaus im 10. Wiener Gemeindebezirk und wollen ihre Bestellung abgeben. Ein Mann kommt hinter der Theke hervor zu ihrem Tisch und sagt, sie sollen das Kaffeehaus sofort verlassen, da er keine „Schwarzafrikaner“ bedienen würde. Die drei fragen nach, aus welchem Grund er keine „Schwarzafrikaner“ bedienen würde. Der Mann gibt ihnen keine Antwort, sondern fordert sie stattdessen erneut auf, das Lokal zu verlassen. Frau G. geht zur Polizei, dort teilt man ihr mit, dass sie nicht zuständig wäre und sie zum Zivilgericht gehen müsste. Sie kommt zu einem vereinbarten Beratungsgespräch zu ZARA und wird über die rechtlichen Möglichkeiten informiert. Da der Freund wieder in den USA ist und Frau G. nichts ohne sein Einverständnis unternehmen will, dokumentiert ZARA den Fall „
„Ich bin vom Inhalt des Rassismus Report 2005 schockiert“ bemerkt eine Reporterin von Afrikanet.info nach Lektüre einiger Darstellungen. „Eigentlich sind meine eigenen Erfahrungen, die ich nicht bei ZARA gemeldet habe, nur peanuts…..“ sagt sie weiter.
ZARA-MitarbeiterInnen als Österreich Vernaderer?
Der RR05 hat 52 Seiten. 43 davon sind voller Erfahrungen, Vorfällen und Stellungnahmen verschiedener Organisationen, die Rassismus in Österreich an Hand von 75 wörtlich zitierten Fällen beleuchten. In neun Kapiteln aufgegliedert, erfährt der Leser was für Erniedrigungen Menschen in den Bereichen „Öffentlicher Raum“, „Polizei“, „Sonstige Behörden und Öffentlichen Institutionen“, „Arbeit“ und „Wohnen“ erlebt haben.
Ein besonderes Kapitel – „Rassismus als Reaktion auf Anti-Rassismus-Arbeit“ – ist ZARA-MitarbeiterInnen gewidmet. Sie werden sogar als „Österreich Vernaderer“ sowie „Nestbeschmutzer“ abgestempelt (S.31). Fünfzehn Fälle von insgesamt 75 werden zitiert. Hier geht´s um Mails und Fax die an ZARA gesendet werden um Angst sowie Unmut zu erwecken. Auch Menschen die sich gegen Rassismus in Österreich engagieren, sind in Gefahr. Was noch erschreckender ist.
Die Statistik der Angst
Die Statistik der gemeldeten Fällen ausser den oben genannten ist schockierend für die Gesamtgesellschaft und beängstigend für die am meisten Betroffenen: Menschen afrikanischer Herkunft in Österreich. 1105 rassistische Vorfälle wurden an ZARA herangetragen und bearbeitet. Eine repräsentative Auswahl ist im RR05 zu lesen. 60 Fälle sind wörtlich zitiert, das sind 5,4% der Grundgesamtheit. Davon betreffen 43,3% Menschen afrikanischer Herkunft. Rassistische Beschmierungen diese Menschen betreffend haben zugenommen. 75% im RR05 (S. 17) gegen 66% im RR04 (S.19). Ein Zuwachs von neun Prozent. Und das sind nur die gemeldeten Fälle.
Hauptnachrichten auf ORF TV (ZIB 1 und ZIB 2) berichteten nicht über den Rassismus Report
Seit mehr als fünf Jahren zeigt ZARA in ihrer minutiösen Arbeit, wie fürchterlich, grässlich und makaber Menschen anderer Herkunft in Österreich erniedrigt, und gedemütigt werden, oft ohne Konsequenzen. Menschen afrikanischer Herkunft finden oft in solchen Auseinandersetzungen den Tod. Omofuma, Ibekwe, Seibane Wague, Ndupu, und Yankuba Ceesay sind nur bekannte Beispiele. In sechs Jahren Arbeit hat ZARA gezeigt, dass Rassismus in Österreich (auch wenn die Studie für Österreich nicht repräsentativ ist, Anm. RR05 S. 3) eine Struktur hat. Das gefürchtete Wort „Struktureller Rassismus“ wird von der Chefredakteurin des Rassismus Reports 2005 Xiane Kangela im Standard vom 25/26.3.2006 auf Seite 10 erwähnt. Eine Struktur , die sich bis in die kleinsten Dinge zeigt. Im österreichischen TV, in den Hauptnachrichten ZIB 1 und ZIB 2 wurden über den RR05 nicht berichtet. Auch im Teletext von ORF1&2 wurde geschwiegen. Stattdessen mussten sich ZIB 2 Zuschauer an diesem 24. März 2006 mit dem Porträt von Frankreichs Premier Dominique de Villepin vergnügen. Laut einer aktuellen Umfrage der französischen Nationalen Kommission für Menschenrechte, halten sich rund 30 Prozent der Menschen in Frankreich für rassistisch. 2005 gaben 25 Prozent der Befragten an, sie teilten rassistische Einstellungen.
Österreichische EU-Präsidentschaft schweigt über den Einstieg von Rassismus auf EU Ebene
Das offizielle Österreich findet die Thematisierung der steigenden Anzahl von rassistischen Vorfällen während seiner EU-Präsidentschaft als nicht geeignet und unpassend. Obwohl das Thema topaktuell ist. Der Jahresbericht 2005 von der in Wien ansässigen „Europäische Stelle zur Beobachtung von Rassismus und Fremdenfeindlichkeit“ (EUMC) bemerkt, dass in den 25 EU Ländern die Bevölkerungsgruppe der Roma sowie Arbeitsmigranten aus Afrika, dem Nahen Osten, Asien und Lateinamerika, die muslimische Bevölkerungsgruppe und Migranten aus Russland und der Ukraine im Beschäftigungs-, Wohnungs- und Bildungsbereich diskriminiert werden – und sind zudem regelmäßig Opfer rassistisch motivierter Gewalttaten. Die Fakten sind eindeutig und sollen dazu dienen etwas dagegen zu unternehmen. Stattdessen schweigt die österreichische EU-Präsidentenschaft.
Im Bereich „Politik und Medien“ ist der RR05 lückenhaftDer RR05 wäre ein perfektes Werkzeug gewesen, wenn das Kapitel Politik und Medien (S.11) nicht nur auf FPÖ und Internet Meldungen beschränken würde. Politik und Medien spielen in der Verbreitung von Rassismen eine überwiegende Rolle. Im Jahr 2005 wurden in den Bereichen Printmedien und Werbungen rassistische Äusserungen verbreitet. Wir können hier u.a. Artikel aus Falter, Kurier, Kronen Zeitung und die Werbung von Moneypoint erwähnen. Dass über rassistische.
Medieninhalte nicht seriös berichtet wurde, ist vielleicht aus taktischen Gründen zu verstehen. Es schmerzt, aber es muss darüber berichtet werden.
ZARA und die African Communities
Ganz neu im RR05 ist, dass ZARA befreundete Organisationen (S. 3) eingeladen hat, Kommentare abzugeben, die den RR05 ergänzen können. Sechs Organisationen und zwei Institutionen haben sich geäussert. Darunter findet Afrikanet.info keine in Österreich ansässigen afrikanischen Organisationen. Hat ZARA innerhalb der African Communities keine befreundete Organisation oder ist es besser, dass die AfrikanerInnen nur noch als Objekte behandelt werden?
Einzige Hoffnung: Rassismusbekämpfung bleibt das Anliegen der Zivilgesellschaft
Auch in diesem Jahr bleibt ZARA eine von der Zivilgesellschaft unterstützte Organisation. Nach eigenen Angaben kommen 65% der Finanzierung aus Mitgliedsbeiträgen, Spenden, Benefizveranstaltungen, Inseraten, Trainings und Sponsoring. Die Stadt Wien finanziert 32% und der Bund 3%. Einzige Hoffnung die bleibt ist, dass immer mehr Menschen sich zur Wehr setzen und ihr Recht auf Nicht-Diskriminierung einfordern. Immer mehr Medien, vorwiegend Printmedien engagieren sich ganz offen gegen Rassismen wie zum Beispiel in der Kriminalberichterstattung in ganz Österreich. Dieses Engagement lässt auch hoffen.
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*ZIB1: Zeit im Bild 1 – Hauptnachrichten des österreichischen öffentlich rechtlichen Fernsehen ORF1&2, täglich um 19h30
*ZIB2: Zeit im Bild 2 – Hauptnachrichten des österreichischen öffentlich rechtlichen Fernsehen nur auf ORF2, Mo.-Sa. um 22h00. Auch auf 3SAT zu schauen.





