BLACK PEOPLE IN AUSTRIA

BLACK PEOPLE IN AUSTRIA

Fb. In. Tw.

Afrikanische flüchtlinge aus der Ukraine in Wien: Pässe werden von der Polizei abgenommen

image_pdfimage_print

Rund 80 Menschen kamen zur ersten bundesweiten Veranstaltung zum Thema „Menschen Afrikanischer Herkunft aus der Ukraine in Österreich“ in der Wiener Brunnenpasage. Viele erzählten aus ihrer Erfahrungen. Ein Bericht von simon INOU

Wien, 2. April 2022: Rund 80 Personen nahmen an diesem Tag in den Räumlichkeiten der Brunnenpassage zur Veranstaltung Black people from Ukraine in Austria“ teil. Die Veranstaltung wurde auf Aufruf eines Kollektivs von aktiven Afrikanerinnen und Afrikanern wie Austrianpikin, Mariama Nzinga, Barbara Abieyuma, Tope, Topoke, Jules Tabue sowie die Medien freshVibes und blackaustria.info initiiert, geplant und organisiert. 

Die Veranstaltung, die innerhalb von weniger als 7 Tagen geplant wurde, wurde durch eine rasche räumliche Unterstützung von Anne Wiederhold der Brunnenpassage ermöglicht. Ziel der Veranstaltung war es, Herausforderungen sichtbar zu machen, mit denen Afrikaner:innen aus der Ukraine in Österreich konfrontiert werden, und Synergien für weitere effiziente Unterstützungsangebote von freiwilligen Individuen und Kollektiven zu bündeln. 

Die Aktivistin Mariama Nzinga bei der Veranstaltung in der Brunnenpassage

Reisepässe von Afrikaner:innen werden von der Polizei abgenommen.

Die zweisprachige (Englisch/Deutsch) Veranstaltung begann mit einer kurzen Videovorführung, die das tragische Schicksal Menschen afrikanischer Herkunft an der polnischen Grenzen zur Ukraine bis nach Österreich zeigte. Anschließend lud die Moderatorin Barbara Abieyuma Tope zum Podium um über den Verlauf der Abholaktion, die er und Mariama Nzinga mit Freund:innen organisiert hatte, zu erzählen, die er und Mariama Nzinga von Wien aus, mit freund:innen organisiert hatten. Durch diese Aktion wurden mehrere Personen aus der ukrainisch-politischen Grenze auf sicherem Weg nach Österreich begleitet. In Österreich angekommen reisten einige unter den afrikanischen Geflüchteten weiter in andere EU Länder, während andere in Österreich blieben, wo sie nun aufgrund der fehlenden Unterstützung bestimmter großen Hilfsorganisationen unter schwierigen Bedingungen leben.

Während der Pause erzählten vier afrikanische Studierende aus der Ukraine, die in Wien angekommen und in österreichischen Familien untergebracht sind, dass sie beim Ankommen am Wiener Hauptbahnhof von der Caritas abgelehnt und ins Austria Center geschickt wurden, wo das humanitäre Ankunftszentrum zu finden ist. Dort wurden sie leider abgewiesen, weil sie “keinen ukrainischen  -Pass besitzen “ und an Polizeistationen geschickt wo ihre Pässe abgenommen wurden und weiter an das BFA (Bundesamt für Fremdenwesen und Asyl) wo diese Dokumente sichergestellt sind. Laut Kübra Atasoy, Geschäftsführerin und Stellvertretende Obfrau von Asyl-in-not sei dieses Verhalten der Polizei inakzeptabel, solange diese Studierende um Asyl nicht angesucht haben. Außerdem, hält Frau Atasoy fest, dass die Personen sich nicht illegal im EU-Raum aufhalten würden, solange ihr 60-tägiges provisorisches Visum noch nicht abgelaufen ist, welches die meisten aus der Ukraine geflüchteten Afrikaner:innen, die nun in Wien sind, besitzen. 

Die Aufenthaltsbedingungen für Geflüchtete mit ukrainischen Pass sehen anders aus. Laut Massenzustrom-Richtlinie der EU – die seit 2001 gibt – die am 4. März 2022 adoptiert wurde folgende Kategorien von Menschen in der gesamten EU temporäre Schutz: a) ukrainische Staatsangehörige, die vor dem 24.2.22 ihren Aufenthalt in der Ukraine hatten b) Drittstaatsangehörige oder Staatenlose, die entweder internationalen Schutz oder einen ukrainischen Schutztitel in der Ukraine hatten  und c) Familienangehörige von den in a) und b) genannten Gruppen. Alle anderen. Die gesamte Richtlinie ist hier verfügbar auf Deutsch und Englisch. Siehe Artikel 6 der Richtlinie. Laut Informationen des österreichischen Bundesministeriums für Bildung Wissenschaft und Forschung (angelehnt an die EU-Richtlinie) können „Angehörige von Drittstaaten, die in der Ukraine studiert haben, ihr Studium aus fremdenrechtlichen Gründen nicht unmittelbar fortsetzen. Sie müssen daher zuerst heimreisen und sich in ihrem Heimatland an die österreichische Vertretungsbehörde (Botschaft) wenden, die dann das reguläre Procedere für den Erhalt einer entsprechenden Aufenthaltsbewilligung (Studierendenvisum) einleiten wird.

Im zweiten Teil der Veranstaltung richtete sich die Bühnendiskussionen auf den Austausch von konkreten Ideen und Vorschläge, um Afrikaner:innen aus der Ukraine zu unterstützen. So zum Beispiel das Pädagogische Ehepaar Ossiri Gnaore, das ad hoc Deutschkurse angeboten hat. Der langjährige Menschenrechtsaktivist, Kammerrat der Arbeiterkammer für die BDFA (Bunte Demokratie Für Alle) Charles Ofoedu stellte sich auch zur Verfügung für die jetzige und zukünftige Unterstützung. 

Mariama Nzinga, Aktivistin: „Es geht auch um den Kampf gegen den europäischen Neokolonialismus

Abschluss des Abends war die Vorstellung einer Websiete blackaustria.info, die als Informationsplattform zusätzlich zu anderen Angeboten auf Social Media wie Austrianpikin die Information zur verfügung stellen wird und. So wurde auch beschlossen eine Online Umfrage zu initiieren um genauer zu wissen wie viele Afrikaner:innen aus der Ukraine es in Österreich gibt und was für hilfe sie konkret benötigen. Dieses Netzwerk Meeting zur Situation in der Ukraine wurde auch als eine entscheidende Gelegenheit gesehen um die Selbstorganisation der African Communities zu thematisieren und um weitere Strategien zu formulieren, die in der Zukunft nicht nur auf probleme warten um zu reagieren sonder regelmäßig Aktionen zu initiieren und umzusetzen. Wie die Mitorganisatorin und Aktivistin Mariama Nzinga formulierte “Es geht nicht nur um Afrikaner:innen in der Ukraine, sondern um die Beziehungen zwischen Afrika und Europa, die neue definiert gehört, mit der Unterstützung aller Kräfte, die gegen den Neokolonialismus und den Imperialismus sind.”

Informationsplattform und Crowdfunding

Wir von blackaustria.info bekamen den Auftrag zusätzlich zu Sozial Media Seiten, die es zu diesem Thema gibt eine Informationsplattform zu errichten um die Kommunikation zu erleichtern. Auch eine Crowdfunding Plattform zur Unterstützung wurde beschlossen und später eingerichtet. Hier kann jede Person spenden.

Somit ist der Netzwerk Abend zu Ende gegangen. Kräfte bündeln, Verbündete Menschen und NGOs aktiv finden, Probleme, die die Betroffenen haben, sichtbarer machen und konkret agieren und vor allem Hoffnung schöpfen solange solidarische Menschen da sind, waren die Punkte, die an diesem Abend stark thematisiert wurden.

Der Podcast zum Thema können Sie hier hören

Facebook Comments Box
Social Share

Herausgeber blackaustria.info

You don't have permission to register