BLACK PEOPLE IN AUSTRIA

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Russland und Ukraine versuchten Afrikaner für den Krieg zu rekrutieren

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Am 24. Februar begann Russland einen großangelegten Überfall auf die Ukraine. Beide Länder versuchten daraufhin, auch wenn sie es später geleugnet haben, Kämpfer*innen aus afrikanischen Ländern zu rekrutieren. Das Vorhaben war nicht nur illegal, es hat auch einen historisch bedingten unangenehmen Beigeschmack.

Von simon INOU, erschienen im deutschen LONAM Magazin

Etwa 1,5 Millionen Afrikaner – manche sagen, es waren mehr – aus sämtlichen Teilen des Kontinents zogen für ihre Kolonialherren in den Zweiten Weltkrieg, die meisten auf Seiten der Alliierten. Viele wurden zwangsrekrutiert, von den Weißen diskriminiert, als Kanonenfutter eingesetzt und nach Kriegsende rasch vergessen. Schätzungsweise 20 bis 25 Prozent von ihnen sind gefallen. Das ist unter anderem das Ergebnis einer zehnjährigen Recherche (1996 bis 2005) deutscher Journalist*innen aus 30 Ländern, die 2005 unter dem Titel „Unsere Opfer zählen nicht“ erschien. Mehrere dieser Soldaten wurden bis zu ihrem Tod respektlos behandelt. Ein Beispiel: Während ihre französischen Mitkämpfer Kriegsrente bezogen, gingen afrikanische Soldaten leer aus. 1959 verabschiedete Frankreichs Regierung ein Gesetz, wonach afrikanische Soldaten nach der Unabhängigkeit nicht mehr dieselben Pensionsansprüche haben sollten wie französische. Während die Pensionen von Franzosen regelmäßig gemäß der Inflation erhöht wurden, blieben die Renten afrikanischer Veteranen auf dem Niveau des Jahres der jeweiligen Unabhängigkeit eingefroren.

Dagegen prozessierte der aus dem Senegal stammende Soldat Amadou Diop, der von 1937 bis 1959 für die französische Armee gekämpft hatte, und gewann den Prozess 1996. Damit rettete er zigtausende Kriegsveteranen aus ganz Afrika – er selbst war inzwischen verstorben. 2010 setzte der damalige französische Staatspräsident Nicolas Sarkozy das Gesetz außer Kraft; die Altersrente wurde für alle gleich bezahlt. Leider war dies mehr eine symbolische Geste, als dass es reale Auswirkungen gehabt hätte, denn viele Kriegsveteranen aus den Kolonien waren bereits tot.

Aus aktuellem Anlass mit dem russisch-ukrainischen Krieg hätten wir beinahe dasselbe erlebt. Der Krieg war noch keine Woche alt, als viele erfuhren, dass die Ukraine in afrikanischen Ländern Freiwillige für die eigene Armee rekrutiere. Am 27. Februar kündigte der Präsident Volodymyr Zelensky die Gründung einer internationalen Legion an, die an der Seite der Ukraine kämpfen sollte. Der Aufruf des ukrainischen Präsidenten wurde an alle diplomatischen und konsularischen Vertretungen weltweit weitergeleitet. So begannen junge Afrikaner (hauptsächlich Männer) sich als Freiwillige zu melden.

Am 3. März versammelten sich viele junge Nigerianer vor der ukrainischen Botschaft in Abuja. Die einen waren ehemalige Soldaten, die militärische Erfahrungen hatten und die anderen schlicht junge Nigerianer, die das Land verlassen wollten um für die Ukraine zu kämpfen, weil sie die Besetzung durch Russland unfair fanden. In einem Interview mit der nigerianischen Tageszeitung Punch bestätigte der zweite Sekretär der ukrainischen Botschaft in Nigeria, Bohdan Soltys, dass die nigerianischen Freiwilligen 1.000 US-Dollar benötigen würden, wenn sie interessiert seien gegen Russland zu kämpfen.

Auch in Senegal publizierte die ukrainische Botschaft am 3. März auf ihrer Facebook Seite einen Aufruf an senegalesische Freiwillige, sich dem Kampf gegen Russland anzuschließen. Laut Presseaussendung des Außenministeriums hatten sich bereits 36 Personen freiwillig gemeldet um für die Ukraine zu kämpfen. Die Aktion kritisierte das senegalesische Außenministerium aufs Schärfste. In einer Erklärung hieß es, dass die Anwerbung von Freiwilligen, Söldner*innen und anderen ausländischen Kämpfer*innen in dem Land illegal sei und gesetzlich bestraft werde. Der ukrainische Botschafter Yurii Pyvovarov wurde später am Tag ins Ministerium einbestellt, um den Facebook Post zu erklären. Nachdem seine Legitimität überprüft worden war, wurde Pyvovarov aufgefordert, den Post zurückzuziehen, heißt es in der Erklärung.

Ein langjähriger Partner Afrikas ist Russland. Das Land ist auf dem Kontinent dafür bekannt, dass es die unabhängigen Befreiungsbewegungen in vielen afrikanischen Ländern finanziell und militärisch unterstützte. Auch von russischer Seite gibt es Meldungen zu Rekrutierungsversuchen, beispielsweise aus Äthiopien. Mitte April zirkulierten Bilder und Videos auf Sozialen Medien, die viele junge Äthiopier zeigten, die sich vor der russischen Botschaft in Addis Abeba, der Hauptstadt Äthiopiens, versammelten um für Russland gegen die Ukraine zu kämpfen. Beamte räumten am Montag, den 18. April ein, dass sich eine große Zahl von Äthiopiern in der Botschaft eingefunden hatte, um sich dem Krieg anzuschließen. Sie bestritten jedoch, dass die Gruppe als Soldaten rekrutiert werden wollte. „Russland hat nicht damit geworben, Äthiopier für den Krieg in der Ukraine zu rekrutieren, und die in den sozialen Medien verbreiteten Informationen sind falsch“, sagte Maria Zakarova, eine Sprecherin der Russischen Föderation in Addis Abeba, der Nachrichtenagentur Al Ain.

Von beiden Ländern wird aus heutiger Sicht offiziell bestätigt, dass derzeit keine Afrikaner*innen als Freiwillige weder für die Ukraine noch für Russland engagiert worden seien.

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Herausgeber blackaustria.info

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