Volkskundemuseum: Ebako Ugbodus Protest mit einem blutgefärbten Tuch
Mit einer antirassistischen Performance am Wiener Otto-Wagner-Areal reagiert der Künstler Ebako Ugbodu auf einen rassistischen Vorfall während seiner Residency im „Hof der Kulturen“. Nach monatelanger Mediation fordert er nun Konsequenzen vom Volkskundemuseum.
Von simon INOU
Wien, 8. Oktober 2026 – Otto-Wagner-Areal im 14. Wiener Gemeindebezirk. Es ist 13.30 Uhr, die Sonne scheint. Knapp 20 Menschen haben sich versammelt, um ihre Solidarität mit dem Künstler Ebako Ugbodu zu bekunden. Der international bekannte Künstler aus Oberösterreich nimmt seit Juni 2026 als Artist in Residence am Programm „Hof der Kulturen“ teil. Nach einem rassistischen Vorfall und mehr als drei Monaten Mediation reagiert Ugbodu nun mit einer künstlerischen Intervention auf die Übergriffe, denen er im Juni ausgesetzt war.
Antirassistische Performance in zwei Akten
Als wir am Otto-Wagner-Areal eintreffen, breitet Ugbodu ein großes, hellrotes, mit Rinderblut gefärbtes Tuch auf dem Boden aus. Es misst 7,60 mal 6,80 Meter. Er faltet es zusammen, um es anschließend in den Raum zu bringen, in dem die Performance stattfinden soll. In der Mitte des Raumes liegt das Tuch mehrfach zu einem Quadrat gefaltet. Darauf befindet sich ein gelb-grünes Straßenschild mit der Aufschrift „N* Getränkeerzeugung“. Es weist den Weg zu einem österreichischen Getränkehersteller, der zur Vermarktung seiner Produkte ein rassistisches Logo verwendet. Der Firmenname selbst geht auf den Nachnamen des Gründers zurück.
Am Kopfende des gefalteten Tuchs, auf dem das Schild liegt, schaltet Ugbodu sein Mobiltelefon ein und beginnt, seine Rede abzulesen. Die Anwesenden stehen im Halbkreis um ihn und hören aufmerksam zu.
In seiner ruhigen, sachlichen Rede, die elf Minuten und 45 Sekunden dauert, schildert Ugbodu den Vorfall. Zudem erinnert er an Achmed Kransmayr, einen afroösterreichischen Zeitzeugen und Überlebenden nationalsozialistischer rassistischer Verfolgung, der im Alter von neun Jahren in Wien sterilisiert wurde, ohne dass er gewusst hat. Die Wahl des Ortes verleiht der Performance besondere symbolische Bedeutung: Das Otto-Wagner-Areal ist eng mit der Geschichte des „Spiegelgrunds“ verbunden, einem Schauplatz nationalsozialistischer Medizinverbrechen und der Verfolgung von Kindern und Jugendlichen.
Nach seiner Rede legt der Künstler dem Publikum einen vorbereiteten Text zur Unterzeichnung vor. Darin formuliert er Forderungen, die er anschließend an die Museumsleitung herantragen will. Damit endet der erste Teil der Performance.
Kunstwerk verhüllen
Anschließend wird das hellrote Tuch behutsam ins Freie getragen. Ugbodu will damit das Holzkunstwerk jenes Künstlers verhüllen, der ihn rassistisch angegriffen hatte. Das Werk steht unterhalb des Museums, links vom oberen Eingang.
„Sorgfältig habe ich Ovidius Objekt mit einem blutgetränkten Tuch verhüllt“, sagt Ugbodu. Für ihn ist dies ein symbolisch besonders bedeutsamer Akt. Gegenüber blackaustria.info erklärt er: „Wenn sich das Museum weigert, gegen die rassistischen Handlungen dieses Künstlers vorzugehen, liegt es an mir, selbst aktiv zu werden.“
Der rassistische Vorfall im Juni 2026
Während seiner Residency im Hof der Kulturen bat, Ebako Ugbodu am 2. Juni 2026 um ein vertrauliches Gespräch mit dem Kurator über sein Projekt, das Rassismus und die Fetischisierung Schwarzer Menschen in Österreich thematisiert. Trotz dieser Bitte habe, der ebenfalls am Programm teilnehmende Künstler Ovidiu Anton das Gespräch betreten und wiederholt das N-Wort verwendet. Dabei habe er argumentiert, dessen Gebrauch sei durch Tradition gerechtfertigt. Ugbodu zufolge griff die Kuratorin nicht angemessen ein, sodass Ugbodu schließlich das Studio verlassen musste, um die Situation zu beenden.
Als Ugbodu den Vorfall dem Museum meldete, sei dieser als Missverständnis behandelt worden. Es folgte ein dreimonatiger Mediationsprozess. Währenddessen teilte Ugbodu weiterhin die Räume der Residency mit Anton und bat schließlich um einen Wechsel in ein anderes Studio, um die Arbeit abschließen zu können. Am 24. September 2026 machte Ugbodu den Fall über seinen Instagram Account öffentlich und löste damit eine Welle internationaler Empörung und Solidarität aus. Vier Tage später entschuldigte sich auch das Volkskundemuseum über seinen Instagram-Kanal.
Die Schnur
Gegen 14.32 Uhr endet die Performance. Ugbodu befestigt das Tuch mit einer Schnur rund um das Holzkunstwerk.





