Afrikatage: Kolonial-rassistische Stereotype und ‚Afrikanische Dörfer‘
Der Firma MaxVita GmbH, VeranstalterIn eines „Afrika Festival“ 2006 in Wien und München, wird Rassismus vorgeworfen. Eine Kritik von Afrikanet.info und Pamoja.
Vom 28. Juli bis 6. August 2006 veranstaltete die Firma MaxVita GmbH in Wien das sogenannte „Afrika-Tage“ Festival. Maxvitas Veranstaltungspolitik bezüglich Afrika wird von mehreren Schwarzen NGOs in Deutschland und jetzt auch in Österreich kritisiert. Diese Politik vermittle laut KritikerInnen „klischeehafte, koloniale sowie und von den Afrikanern“. Namhafte Medien wie u.a. BBC berichteten schon darüber. Afrikanet.info fasste zusammen.
In einer Presseaussendung (siehe unten) vom Ende des Festivals informierte Pamoja, die Bewegung der jungen afrikanischen Diaspora in Österreich, dass Maxvita vom 9.-12. Juni 2005 im Augsburger Zoo ein, wie sie es nannten, „African Village“ organisierte. Menschen afrikanischer Herkunft sowie ihre Organisationen wurden im Augsburger Zoo zur Schau gestellt.
Damals reagierte die NGO Bana Ba Sawa e.V., ein Verein zur Pflege der Kultur der Sawa, eine kamerunische Bevölkerungsgruppe, die im besonderen Maße unter den deutschen Kolonialpraktiken zwischen 1884 und 1914 zu leiden hatte, wie folgt: „Ein Zoo ist ein Tierpark. Afrikaner/innen im Zoo einem europäischen Publikum vorzuführen – zumal noch unter dem Banner des exotischen – bedeutet, diese Menschen eher der Sphäre der Natur als der Kultur zuzuschreiben.“
Die Initiative Schwarze Menschen in Deutschland (ISD) kritisierte die Art und Weise wie die Firma Maxvita Gmbh mit der Vergangenheit Afrikas im europäischen Denken vorgeht. Nämlich „Die Reproduktion kolonialer Blick-Verhältnisse, in denen Schwarze Menschen als exotische Objekte, als Un- oder Untermenschen in trauter Einheit mit der Tierwelt in einer offenbar zeitlosen Dörflichkeit betrachtet werden können und den Mehrheitsdeutschen als Inspiration für künftige touristische Reiseziele dienen, ist wohl kaum als gleichberechtigte kulturelle Begegnung zu verstehen.
Besteht Afrika nur aus Savanne und Dörfern?
Abgesehen davon, dass der afrikanische Kontinent nicht nur aus „Savanne“ und „Dorf“ besteht und sich nicht unter einem singulären Kulturbegriff („African Village“) subsumieren lässt, spricht die gesamte Herangehensweise der VeranstalterInnen von einer erschreckend ungebrochenen Verdrängung historischer Kontinuitäten, mit der die Aneignung und Einverleibung vermeintlich exotischer Orte und Menschen immer wieder neu begründet werden kann.“
ISD argumentierte weiter, „dass in der Geschichte der Völkerschauen nicht nur rassenanthropologische Untersuchungen an den DarstellerInnen vorgenommen worden sind, sondern dass viele von ihnen in Folge der schlechten Arbeits- und Lebensbedingungen starben und wies darauf hin, dass Schwarze Deutsche auch während des Nationalsozialismus, nämlich von der Zwischenkriegszeit bis in die vierziger Jahre, dazu gezwungen waren, in Völkerschauen aufzutreten, weil ihnen andere professionelle Sphären verschlossen wurden. Viele Schwarze Menschen kamen im Zuge der rassistisch begründeten Herabwürdigung und juristisch legalisierten Verfolgung während des Nationalsozialismus ums Leben.
Maxvita Gmbh respektiert die Würde von AfrikanerInnen nicht
Da Maxvita nicht fähig ist, sich konstruktiv mit der berechtigten Kritik auseinanderzusetzen, schliesst sich Pamoja in ihre Presseaussendung der damaligen Forderungen von ISD sowie ADEFRA – Schwarze Frauen in Deutschland – und dem Verein Brauen Mob – Schwarze Deutsche in Medien und Öffentlichkeit – wie z.B. der kritische Umgang mit kolonial-rassistischen Stereotypen und Verhaltensmustern.
Die Redaktion von :: Afrikanet.info schließt sich dieser Kritik an. Wir stehen, wie das Aktionskomitee Schwarze Menschen in Österreich (AKSMÖ) damals schon formulierte, für „gerechte Bilder von Afrika, seinen Menschen und seiner Diaspora jenseits von Klischees“.





