BLACK PEOPLE IN AUSTRIA

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Wer war Cheikh Anta Diop?

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Der 7. Februar ist ein großer Erinnerungstag für die afrikanische Wissenschaft. An jenem Tag starb 1986 der bedeutendste afrikanische Historiograph aller Zeiten: der Senegalese Cheikh Anta Diop.

Geboren wurde er 1923 in Caytou, einem kleinen Dorf in West-Senegal als Sohn moslemischer Bauern. Nach der Matura beginnt er 1946 sein Studium an der Sorbonne in Paris, später schreibt er sich im Collège de France ein. Die Ausbildung, die er dort erhält, ist umfassend: Diop studiert neben Sozial- und Geistewissenschaften auch Physik und Mathematik. Zugleich arbeitetet er Jahre lang an Frederik Joliot-Curies Nuklear-Forschungszentrum in Saclay-Paris. Seine erste Dissertationsarbeit, die er 1954 abschließt, erscheint als Buch unter dem Titel „Nation Nègres et Culture“. Von der Universität Sorbonne wird die Arbeit abgelehnt – Diop vertritt darin die These, dass die Bevölkerung zur Zeit des pharaonischen Ägyptens schwarz war.

Er wollte ein neues Licht auf die Beziehungen zwischen Ägypten und Schwarzafrika werfen, doch Afrika wurde von den einstigen Kolonialmächten längst schon als geschichtsloser Kontinent abgestempelt. Und so kämpfte Diop weiter verbissen um die historische Rolle Afrikas, mit dem Ziel, den Schwarzen jenen Platz zurückzuerstatten, den Griechenland in Hegels Menschheitsgeschichte lange Zeit usurpiert hatte, wie der Soziologe Jean Marc Ela in seinem Buch „Cheikh Anta Diop ou l´honneur de penser“ (Cheikh Anta Diop oder die Ehre des Denkens“) schreibt. Durch seine Arbeit befreite der Senegalese Diop Generationen von Afrikanern von dem Minderwertigkeitskomplex, der ihnen im Kontakt mit den Europäern, den Kolonialmächten, eingeimpft worden war.

1974 wurde er von der UNESCO zu einem Ägyptologie-Kolloquium nach Kairo eingeladen. Diop sollte dort seine These vom schwarzen Ursprung Ägyptens wissenschaftlich beweisen. Er und sein bekanntester Schüler Theophile Obenga überzeugten auch einige der Teilnehmer mit ihren neuen Forschungsmethoden und Ergebnissen. Nicht weniger eifrig ist der in den USA lehrende englische Historikers Prof. Martin Bernal, wenn es darum geht, die afrikanische Geschichte aus dem kolonialen Blickwinkel zu befreien. Auch er vertritt die Ansicht, dass schwarze Ägypter die altägyptische Zivilisation gegründet hatten und dass die antiken Griechen selbst den Ägyptern eine zentrale Rolle in der Bildung der eigenen Kultur zuschrieben. Doch Bernal wäre beinahe gelyncht worden, weil er in seinen Werken („Black Athena – The Afroasiatic Roots of Classical Civilization“) den Eurozentrismus und die mutmaßliche Fälschung der Geschichte Afrikas angeprangert hat.

Dies zeigt die Wichtigkeit, die Geschichte Afrikas jenseits des kolonial geprägten Blickwinkels zu erforschen. Man kann daher nur hoffen, dass sowohl in den Vereinigten Staaten als auch in Europa das Interesse an den Forschungsarbeiten von Anta Diop und Martin Bernal, den beiden wichtigsten Vertretern des Afrozentrismus, wächst.

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Herausgeber blackaustria.info

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