Eckdaten der Demonstration
Beginn:
Wiener Westbahnhof
Zeit:
25.07.2003 um 17:00 Uhr
Demo Route:
Start: Westbahnhof-Mariahilferstrasse
Redebeiträge: Herrengasse/Innenministerium
Redebeiträge: Stephansplatz/Heumarkt
Endkundgebung: Zentrale der Wiener Rettung Radetzkystrasse
[25.07.03 23:00:09]
Von: Malcom Akwanpa
Das war die Demo gegen institutionellen Rassismus
In Wien demonstrierten am Freitag 25. Juli 2003 nach Angaben der Veranstalter 5000 Menschen gegen Rassismus. Die friedliche Kundgebung, die durch die Innenstadt bis zum Stadtpark führte, wurde Seibani Wague gedacht. Die African Community durch die Plattform „Gerechtigkeit für Seibani“ drückte seine Sorge aus. Frau Beatrice Achaleke, Frau Mag. Ishraga, Dr Ditutu Bukasa, Prinze Zeka, Ahmed Elgoni (Veranstalter Afrikakulturdorf) sowie Österreichische Persönlichkeiten wie Frau Ute Bock (www.fraubock.at), Doron Rabinovic redeten.
Von: Elfriede Jelinek
Geplanter Text für die Demo am 25. Juli 2003 – Seibani Wague
Polizistinnen und Polizisten, es gibt einen lagebedingten Erstickungstod durch Festnahme. Bitte bestätigen Sie nicht mein Vorurteil, dass Sie das nicht wissen oder drauf vergessen! Diese Erkenntnisse sind nicht neu, dass man einen Menschen nicht mit Verpackungsbändern den Brustkorbs zupicken kann, bis er nicht mehr atmen kann, und auch die Erkenntnis, dass man niemand auf den Bauch legen und sich auf seinen Brustkorb stellen darf, weil er sonst sterben kann, ist nicht neu. Besuchen Sie Fortbildungskurse und lernen Sie das neu, wenn Sie es vielleicht vergessen haben! Vergessen Sie nicht, die Menschen erlahmen Ihnen unter den Fingern und verlöschen, wenn Sie so mit ihnen umgehen! Und zwar auch Menschen, mit denen Sie im Alltag den Umgang vielleicht scheuern, weil sie anders sind als Sie. Die sterben genauso. Ich will das hier nicht sagen müssen, aber das Schreckliche, das Schädliche setzt oft erst ein, wenn das Nützliche nachlässt, nützlich zu sein, und das Nützlichste ist vielleicht die Tatsache, dass alle Menschen leben wollen, und die es nicht wollen, die sagen es schon rechtzeitig oder tun was dagegen. Nützlich wären ihre Erkenntnisse vom Körper der Menschen, mit denen Sie es zu tun haben. Sie Arzt, Sie wissen das doch sicher, warum stehen Sie daneben und schauen nur? Warum schauen Sie nur, wenn Sie doch was gelernt haben und diesen nutzen der Festnahme eines Offensichtlich in diesem Augenblick Gestörten, mit wenigen Handgriffen in etwas Funktionierendes zu verwandeln können, damit der Mensch atmet und am Leben bleiben kann? Was haben Sie gelernt? Dass der Vorteil ihres Gelernten nur zu Ihrem eigenen Vorteil sein soll und Sie nichts machen können oder müssen?
Der Minister ist unverantwortlich, ich meine nicht verantwortlich, denn eine Ministerverantwortlichkeit, die kennt er gar nicht. Warum soll er also zurücktreten, das tun wir in diesem Fall schon ganz besonders nicht, Herr Minister Strasser, gell?! Wir haben keine Fragen zu stellen, dann werden wir auch keine blöde Antworten bekommen.
Botschaft der Plattform Gerechtigkeit für Seibane/ Menschenrechtskomitee Seibane
Für Gerechtigkeit in Österreich
15. Jänuar 2004 – 9-11 Uhr
UVS Muthgasse 62 – 1190 Wien
Dritter Verhandlungstag
Die Afrikanische Community zeigt ihrer Präsenz
Bislang gibt es keine Gerechtigkeit, da trotz fundierter Beweise keine Konsequenzen seitens der Staatsanwaltschaft für beteiligte Polizeibeamte und Sanitäter gezogen wurden.
Sanitäter decken Polizeibeamte.
Die Polizei verhindert Wahrheitsfindung/ Kollektive Aussageverweigerung zu allen Fragen, dadurch Missachtung des Gesetzes beim UVS–Verfahren.
Die Polizei darf sich nicht länger selbst untersuchen.
Tiere werden besser behandelt
In Memoriam Seibani Wague
20.12.69 – 15.07.03 – simon INOU
Montag 21. Juli 2003. Im Restaurant Baobab sitzen dutzende Menschen rund um den Fernseher. Alle sind schon informiert, dass ein belastendes Video über den brutalen Tod von Seibani Wague aus Mauretanien existiert. Das Video wird in der Sendung „Thema“ ausgestrahlt. 21h10 fängt die Sendung an. Der Moderator fasst die Sendung zusammen und los gehts.
Der erste Beitrag ist für diejenigen die hier im Restaurant sind, der Wichtigste. Eine Geschichte à la Rodney King. Der Afro-Amerikaner wurde von der kalifornischen Polizei brutal niedergeschlagen. Hoffentlich hatte jemand gefilmt und den belastenden Inhalt veröffentlicht. Von Kalifornien bis nach Wien ist es nur ein Schritt entfernt: der Rassistische. Lesen Sie mal:
Auf dem Boden liegt leblos ein Mann. Die Hände sind mit Hanschellen auf den Rücken gefesselt. Mehrere Personen stehen rund um den Körper. Polizisten, Sanitäter stehen auf dem leblosen Körper. Ein Notarzt der Wiener Rettung steht daneben und beobachtet die Szene. Es wird versucht den leblosen Körper zu transportieren. Er ist untragbar für 6 Personen, sodass der Körper hinunter fallen will.
Weinende Babys und Erwachsene, traurige Gesichter, Empörung und Wut gegen die im Video mitwirkenden Personen sind hier im Restaurant zu fühlen. Österreicher sowie Afrikaner, die rund um den Fernseher sitzen, verstehen immer noch nicht warum die Polizei und die Wiener Rettung sich so tierisch verhalten haben. Wer ist schuld am Tod des 33jährigen Mauretaniers?
Wer ist schuld am Tod des 33jährigen Mauretaniers Seibani W.? Der herzkranke Afrikaner war in der Nacht auf Dienstag mit seinem Arbeitgeber im Afrikadorf im Wiener Stadtpark in Streit geraten, die Polizei wurde gerufen, ein Rettungsarzt verabreichte W. eine Beruhigungsspritze. Noch im Rettungswagen verschlechterte sich der Zustand des Afrikaners dramatisch – wenig später starb der Mann im Wiener AKH. Augenzeugen berichten, die Polizei habe den Mann verprügelt, jetzt werden interne Erhebungen angestellt.
[27.07.03 17:41:44]
Von: Beatrice Achaleke aus Kamerun
Seibani Wague
20.12.69 – 15.07.03
Seibane wurde am 20. Dezember 1969 in Kaedi (Mauretanien) als Sohn von Wague Abdoulaye Sylla und Assa Tandia geboren. Er besuchte die Grundschule und das Gymnasium in Nouakchott. Aufgrund seiner herausragenden Leistungen erhielt er vom russischen Kulturzentrum 1989 ein Stipendium für das Studium der Physik an der Patrice Lumumba Universität in Moskau. Sein Studium schloß er 1996 mit dem Bachelor of Science ab. Von Oktober 1998 bis Juni 2000 war Seibane Stipendiat des Afro–Asiatischen Instituts. Er studierte an der TU–Wien Technische Physik mit dem Ziel das Diplomstudium zu absolvieren, um später in Mauretanien eine Position als Führungskraft einzunehmen.
Wie für viele Studierende aus außereuropäischen Ländern war das Leben und Studieren in Österreich anfangs nicht einfach für Seibane. Er mußte eine neue Sprache erlernen und sich auch damit auseinandersetzen, dass Teile seiner Vorstudien nicht anerkannt wurden. Als Afrikaner war er wie viele seiner KollegInnen rassistisch motivierten Diskriminierungen ausgesetzt. Trotzdem hat sich Seibane nicht zurückgezogen, sondern hat versucht, aktiv dazu beizutragen, dass sich die Situation für ausländische Studierende in Österreich verbessert. Er war allseits beliebt und wurde aus diesem Grund von der StipendiatInnengemeinschaft des Afro–Asiatischen Institutes zu ihrem Vertreter gewählt.
Am Donnerstag, den 31. Juli 2003 sind hunderte Freunde und Freundinnen von Seibani Wague am Flughafen gewesen um ihren symbolischen Abschied zu zeigen. Der Held ist um 19:40 Uhr mit der Air France Maschine Nummer 2039 geflogen. Auf der Aussichtsplattform vom Flughafen Wien war die Traurigkeit spürbar. Manche haben geweint, andere haben sich rednerisch ausgedrückt. Wie zum Beispiel Patrick Leon Bongola:
[01.08.2003 12:12:09]
Von: Patrick Leon Bongola
Rede
Wir kommen zusammen, um Bruder Cheibani zu verabschieden.
Unser Bruder tritt seine letzte Reise ins Mutterland, nach Afrika an, nach Mauretanien, wo er zu den Ahnen sprechen wird.
Er wurde uns genommen, aus dem Schoß der Community gerissen, von Unmenschen und ihrer legalen Form der Tötung.
Ich erinnere hier an Bruder Marcus – der genauso unvergessen bleiben wird wie Bruder Cheibani, dafür stehen wir hier.
Es wurde viel unwahres geschrieben und gesprochen – die Macht der ersten Lüge war hier am Werk.
Doch in unsere Herzen tragen wir die Wahrheit und die Erfahrungen mit unserer Hautfarbe gibt uns Gewissheit.
Nicht wir sind die mit den Herzproblemen, sondern die gleichgültige und menschenverachtende Strömung in Gesellschaft und Politik, die einen nach dem anderen von uns kriminalisiert, dämonisiert und terminiert.
Aber wir lassen uns nicht lähmen! Wir mögen im ersten Moment geschockt wirken, vielleicht ein wenig orientierungslos.
Indem wir einander aber die Hände reichen und Gemeinsames teilen, sei es Wut, Trauer oder Glück, beweisen wir Solidarität und Stärke.
Das sollte jeder von uns mit auf dem Weg nach Hause nehmen – zusammen sind wir stark!
Bruder Cheibani, sag den Ahnen wir standen Gestern, wir stehen Heute und werden in Zukunft mit erhobenem Haupt auch noch stehen!
Wir vergessen nie – Gerechtigkeit!





