BLACK PEOPLE IN AUSTRIA

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Jamu Afrika oder eine Frau zeigt, wie’s geht

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Yaya Li Fontaine ist 31 Jahre alt und lebt seit 11 Jahren in Österreich. Sie ist verheiratet und Mutter zweier Kinder. Yaya ist eine multikulturelle Frau: Ihr Vater kommt aus dem Senegal, die Mutter aus Guinea, ihr Mann stammt von der Insel Réunion im Pazifik. Yaya selbst lebt mit ihrer Familie in Laa an der Thaya, arbeiten tut sie in Wien. Abgesehen von üblichen Alltagsproblemen geht es ihr gut. Auch die Familie fühlt sich in ihrer Heimatstadt Laa wohl. Mittlerweile hat Yaya ein Geschäft in Wien Josefstadt, in dem sie afrikanische Kunstobjekte verkauft. „Jamu Afrika“, das auf senegalesisch „Das Glück Afrikas“ bedeutet, wurde 2001 eröffnet. Zuvor hatte sie drei Jahre als Au-Pair-Mädchen und weitere drei Jahre im Gastgewerbe gearbeitet. In den Medien bekannt wurde Li Fontaine als Sprecherin des berühmten Afrikadorfes im Wiener Stadtpark, das durch den tragischen Tod des Mauretaniers Cheibani Wague im Anschluss an einen Polizei- und Rettungseinsatz traurige Berühmtheit erlangte.

Yaya schilderte in verschiedensten ORF-Sendungen in ihrer direkten Art die Situation der in Wien lebenden AfrikanerInnen. Sie sagt, was sie denkt – und das stört Viele, auch innerhalb der Afrikanischen Gemeinschaft. Denn sie hat auch diese von Kritik nicht verschont, der sie „Egoismus“ vorwirft. Nachgedacht werde oft erst im Nachhinein, wenn schon etwas (oft Schlimmeres) passiert ist. Yaya will beispielsweise wissen, warum die AfrikanerInnen nur zusammenkommen, wenn sie Probleme haben. „Wo lebt hier in Wien die viel zitierte Solidarität der afrikanischen Familien, handelt es sich etwa nur um eine Scheinbrüderlichkeit?“, fragt Yaya. Dennoch glaubt sie an diese Gemeinschaft, „weil ihr viele erfahrene und intelligente Menschen angehören, die die Situation hier in diesem Land verbessern können“.

Integration ist für sie ein leeres Wort. Alles, was die 31-Jährige weiß, ist: „Wenn jemand mir sagt, dass etwas nicht geht, dann bin ich umso motivierter, das Gegenteil zu beweisen“ – und das hänge nicht vom Integrationsgrad ab. So erzählt sie, dass sie als Jungunternehmerin einen Kredit bei einer Bank nicht bekommen hat, weil ein derartiges Unternehmen in Wien nicht rentabel sein werde. Yaya hat es daraufhin ohne Hilfe versucht – und geschafft. Die zweifache Mutter war, ist und bleibt eine Kämpferin.

Simon Inou

Jamu-Afrika, Geschäft für Afrikanisches Kunsthandwerk, Haarverlängerungen, Rastazöpfe, Dreadlocks, Kosmetik.

Josefstädterstrasse 99,

1080 Wien;
Tel. & Fax +43 1 957 98 32. http://www.jamu-afrika.at

Artikel erschienen in der Wiener Zeitung am 8. Oktober 2003

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Herausgeber blackaustria.info

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